
Abwasserkolloquium 2026
Thema: Abwasser als Ressource – Neue Aufgaben für kommunale Kläranlagen im Wassermanagement
Wasserwiederverwendung im Fokus: Von regulatorischen Rahmenbedingungen ueber praxisnahe Anwendungen bis hin zu innovativen Technologien.
Wasserwiederverwendung im Mittelpunkt
Die Wasserwiederverwendung gewinnt im Kontext von Klimawandel, steigender Wasserknappheit und wachsendem Nutzungsdruck zunehmend an Bedeutung. Das Abwasserkolloquium 2026 greift dieses Themenfeld entlang eines klaren roten Fadens auf: von politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen über konkrete Anwendungsbeispiele bis hin zu aktuellen technologischen Entwicklungen.
Zu Beginn erfolgt eine Einordnung aus Sicht des Umweltministeriums Baden-Württemberg in den aktuellen politischen und regulatorischen Kontext – ergänzt durch eine fachliche Perspektive auf das DWA Merkblatt 1200 zur Wasserwiederverwendung.
Im Mittelpunkt stehen praxisnahe Lösungsansätze und reale Umsetzungen, die zeigen, wie Wasserwiederverwendung heute bereits erfolgreich eingesetzt wird und welche Herausforderungen dabei zu bewältigen sind. Fallstudien aus Sindelfingen und eine internationale Nachhaltigkeitsanalyse eines indischen Universitätsgeländes geben Einblicke in Planung, Betrieb und Bewertung entsprechender Systeme.
Ergänzend werden Strategien zum Risikomanagement in der Wasserwiederverwendung sowie Einsatzmöglichkeiten für Abwasser in der urbanen Bewässerung und Landwirtschaft beleuchtet. Den technologischen Abschluss bildet das Forschungsprojekt NQUA zu Anreicherung, Entfernung und Sensorik für PFAS.
Das Kolloquium bietet damit eine fundierte Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Verwaltung – mit einem klaren Fokus auf anwendungsorientierte Perspektiven und übertragbare Lösungsansätze.
Wir freuen uns, das Abwasserkolloquium nun bereits zum zweiten Mal zu veranstalten, und über Ihr Interesse sowie Ihre Teilnahme.

Politischer und regulatorischer Rahmen
Zum Auftakt wird das Themenfeld aus Sicht des Umweltministeriums eingeordnet. Damit wird der politische und regulatorische Kontext gesetzt, in dem sich Wasserwiederverwendung aktuell entwickelt.
Praxisnahe Fallstudien und Anwendungen
Ein zentrales Element der Veranstaltung sind reale Umsetzungen aus unterschiedlichen Regionen und Anwendungsfeldern. Sie zeigen, wie Wasserwiederverwendung bereits heute geplant, betrieben und bewertet wird.
Risiko, Management und Technologie
Ergaenzend zu den Fallstudien werden Strategien zur Risikoabschaetzung und zum Management sowie innovative Technologien vorgestellt, die eine sichere und effiziente Umsetzung unterstuetzen.
Programm & Inhalte
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Sektion
Anreise & Begrüßung
Ankommen bei Kaffee und Brezeln, Registrierung
Begrüßung und Einführung
Prof. Dr. rer. nat. Patrick Bräutigam und Prof. Dr. David Werner, ISWA
Sektion
Politischer und rechtlicher Rahmen
Abwasserwiederverwendung – Chancen und Risiken für Baden-Württemberg vor dem Hintergrund der sich wandelnden Rechtslage
Alexandra Heinemann (Ref. 51) und Dr. Sabine Aßmann (Ref. 53)
Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
Umsetzung von Wasserwiederverwendung in Deutschland auf Grundlage des DWA-M 1200
Prof. Dr.-Ing. Jens Haberkamp
Arbeitsgruppe Trinkwasser- und Abwassertechnik, Institut für Infrastruktur – Wasser – Ressourcen – Umwelt (IWARU), Fachhochschule Münster
Sektion
Risiken und Möglichkeiten
Safe Reuse: Risikomanagement in der Wasserwiederverwendung
Dr.-Ing. Veronika Zhiteneva, Waterloop Solutions GmbH, CEO & Co-Founder
Wasserbereitstellung für die Wiederverwendung – Möglichkeiten kommunaler Kläranlage am Beispiel der Stadtentwässerung Stuttgart
Thomas Hauck
Landeshauptstadt Stuttgart, Sachgebietsleitung Abwasserreinigung und Abwassertechnik HKW, Hauptklärwerk Mühlhausen
Sektion
Anwendungsbeispiele
Weitergehende Nutzung von Klarwasser der Kläranlage Böblingen-Sindelfingen in einem industriellen Fertigungsprozess
Cristina Monea
Zweckverband Kläranlage Böblingen-Sindelfingen, Abteilungsleitung
Nachhaltigkeitsanalyse eines indischen Universitätsgeländes: Regenwassernutzung und vollständige Abwasserwiederverwendung
Prof. Dr. David Werner
Professur für Multiskalige Umweltverfahrenstechnik, ISWA, Universität Stuttgart
Sektion
Technologieentwicklung
Wasserwiederverwendung für die urbane Bewässerung: mikrobiologische Sicherheit und Barrierekonzepte
Dr. Johannes Ho
Molekularbiologie, Abteilung Wassermikrobiologie, DVGW-Technologiezentrum Wasser (TZW)
Abwasserverwendung in der Landwirtschaft
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Silvio Beier
Professur für Siedlungswasserwirtschaft und Technologien urbaner Stoffstromnutzungen, Bauhaus-Institut für zukunftsweisende Infrastruktursysteme (b.is), Bauhaus-Universität Weimar
Anreicherung, Entfernung und Sensorik für PFAS – Das Projekt NQUA
Prof. Dr. Jens Anders und Prof. Dr. rer. nat. Patrick Bräutigam
Prof. Dr. Jens Anders – Institutsleiter, Institut für Intelligente Sensorik und Theoretische Elektrotechnik, Universität Stuttgart
Prof. Dr. rer. nat. Patrick Bräutigam – Professur für Technische Umweltchemie und Sensortechnik, ISWA, Universität Stuttgart
Sektion
Schlussworte
Schlussworte
Prof. Dr. rer. nat. Patrick Bräutigam und Prof. Dr. David Werner, ISWA
Weiterführende Quellen
Kuratierte Fachquellen zu den Themen dieser Veranstaltung.
EU-Gesetzgebung
Verordnung (EU) 2020/741 – Mindestanforderungen für die Wasserwiederverwendung
Europäisches Parlament und Rat der EU · 2020
Legt erstmals EU-weit verbindliche Qualitätsklassen (A–D) für die landwirtschaftliche Bewässerung mit gereinigtem Kommunalabwasser fest. Gilt unmittelbar in Deutschland seit 26. Juni 2023.
Richtlinie (EU) 2024/3019 – Kommunalabwasserrichtlinie (KARL)
Europäisches Parlament und Rat der EU · 2024
In Kraft seit 1. Januar 2025. Verpflichtet Kläranlagen ab 150.000 EW zur 4. Reinigungsstufe (Mikroschadstoff-Entfernung) bis 2033; Umsetzungsfrist in nationales Recht bis Juli 2027.
FAQ zur EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL)
Umweltbundesamt (UBA) · 2025
Beantwortet praxisrelevante Fragen zu Fristen, Anlagenkategorien, der Pflicht zur 4. Reinigungsstufe und der Erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) ab 2029.
Neue PFAS-Grenzwerte im Trinkwasser ab Januar 2026
Europäische Kommission · 2026
Seit 12. Januar 2026 gelten EU-weit: 0,10 µg/L für Einzel-PFAS und 0,50 µg/L für die Summe aller PFAS im Trinkwasser. Direkter Rückkopplungseffekt auf Anforderungen an Kläranlagen.
DWA-Regelwerk
DWA-M 1200-1 bis -3: Wasserwiederverwendung für landwirtschaftliche und urbane Zwecke (Entwurf Juli 2025)
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) · 2025
Dreiteiliges Merkblatt als erstes deutsches Technisches Regelwerk zur Umsetzung der EU-VO 2020/741. Enthält Nutzungskategorien, Aufbereitungsanforderungen und PFAS-Referenzwert (∑20 = 0,10 µg/L). Entwurfsstadium — finale Verabschiedung 2026 erwartet.
DWA Kommunalabwasserrichtlinie KARL – Überblick und Regelwerksarbeit
DWA e.V. · 2025
DWA-Übersicht zu Umsetzungsfristen, Energieneutralitätsziel bis 2045, verschärften N/P-Grenzwerten und Auswirkungen auf Kläranlagen aller Größenklassen.
Forschungsprojekte
NQUA – NMR-Quantensensorik für Umweltanalytik (PFAS-Detektion und -Elimination)
ISWA Universität Stuttgart, NVision Imaging Technologies, Magritek GmbH · 2024
BMFTR-gefördertes Projekt (4,6 Mio. €): Entwicklung eines NMR-Quantensensors zum Echtzeitnachweis von PFAS in Abwasser, kombiniert mit einem keramischen Adsorptionssystem und Ultraschallreaktor zur Elimination.
WavE II – BMBF-Fördemaßnahme „Wassertechnologien: Wiederverwendung“ (Abschlussbericht 2025)
BMBF / FONA, DECHEMA (Koordination) · 2025
14 Verbundprojekte (ca. 25 Mio. €) zu kommunaler Abwasserwiederverwendung, industriellem Wasserkreislauf und Entsalzung. Abschlussbroschüre mit Kernergebnissen verfügbar.
PFClean – Modulares System zur PFAS-Reduzierung aus Boden und Grundwasser
IWS/VEGAS Universität Stuttgart, TZW Karlsruhe, Arcadis Germany · 2023
BMBF-Verbundprojekt (Laufzeit bis Feb. 2026) zur Felderprobung von PFAS-Sanierungsverfahren an einem Kontaminationsstandort in Hügelsheim, Baden-Württemberg.
Wissenschaftliche Publikationen
Assuring reclaimed water quality using a multi-barrier treatment train (EU-VO 2020/741)
TU München, Lehrstuhl Siedlungswasserwirtschaft · 2024
Pilotversuch an der Kläranlage Schweinfurt: Vergleich zweier Aufbereitungsstränge hinsichtlich EU-Anforderungen. Water Research, Vol. 267 (2024). Johannes Ho et al.
Sustainable wastewater reuse for agriculture
Universität Zypern u.a. (Christou, Beretsou, Fatta-Kassinos) · 2024
Umfassendstes aktuelles Review zu Wasserwiederverwendung in der Landwirtschaft: Behandlungstechnologien, Qualitätsüberwachung, Spurenstoffe. Nature Reviews Earth & Environment, Vol. 5, 2024.
Potential and risks of water reuse in Brandenburg (Germany)
Helmholtz-Zentrum UFZ Leipzig, TU Berlin, FH Münster (IWARU) · 2024
Quantifiziert das Potenzial dezentraler und zentraler Wasserwiederverwendung und bewertet chemische Risiken. Beteiligung von Prof. Haberkamp (FH Münster, auch Referent des Kolloquiums). IWA Water Reuse, Vol. 14 (2024).
Weiterführende Fachinformationen
Nationale Wasserstrategie (Kabinettsbeschluss März 2023)
Bundesministerium für Umwelt (BMUV) · 2023
Rahmenwerk der Bundesregierung bis 2050: verankert Wasserwiederverwendung, Mikroschadstoffreduktion und Klimaresilienz als Staatsziele.
UBA PFAS-Portal – Regelungen und Empfehlungen
Umweltbundesamt (UBA) · 2025
Konsolidiert alle deutschen und EU-Regelungen zu PFAS in Trinkwasser, Abwasser, Boden und Deponiesickerwasser. Laufend aktualisiert.